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The next generation

Generationswechsel in der Bildverarbeitung

Mitte der 70er-Jahre begann Bildverarbeitung langsam Fahrt aufzunehmen und erfolgreich zu werden. Die damaligen Firmengründer sind heute – fast 40 Jahre später – an dem Punkt, an dem sie sich zumindest Gedanken machen müssen, wer als nächstes die Führung ihrer Firma übernehmen wird. inVISION sprach mit fünf Nachfolgern, die bereits ihre Position als Geschäftsführer – direkt nach dem Firmengründer – angetreten haben.
Die Personen, die an dieser Reportage beteiligt waren, sind (in alphabetischer Reihenfolge):

  • • Dr. Andreas Franz, CEO Framos, gehört der Geschäftsleitung seit 2007 an. Davor arbeitete er als Projektleiter bei McKinsey & Company. Er übernahm die Firma von seinem Vater Bernd Franz, der Framos 1981 gründete.
  • • Dr. Rüdiger Hack, Laser 2000, ist seit 2013 geschäftsführender Gesellschafter der Laser 2000. Er startete seinen Werdegang bei Trumpf. Danach folgten Stationen bei JDS Uniphase Corporation und Coherent Incorporated.
  • • Erhard Meier, Matrix Vision, ist seit 2010 bei Matrix Vision und wurde Mitte 2011 zum kaufmännischen Geschäftsführer bestellt. Davor war er bei Rockwell Automation in verschiedenen Positionen tätig.
  • • Dr.-Ing. Kai-Udo Modrich, Carl Zeiss Automated Inspection, ist seit 2008 bei Carl Zeiss und seit 2012 Geschäftsführer der ehemaligen HGV Vosseler, die von Zeiss übernommen wurde. Davor war er beim Fraunhofer IPA.
  • • Dipl.-Inform. (FH) Christof Zollitsch, Stemmer Imaging, arbeitet seit Ende des Studiums für Stemmer Imaging. 1998 übernahm er die Leitung des Bereichs Bilderfassungs-Komponenten, 2001 wurde er zum Geschäftsführer ernannt.

Unterschied zum Firmengründer

Wo sind die Unterschiede, wo die Gemeinsamkeiten zwischen Vorgänger und Nachfolger? Sind die Aufgaben eines heutigen Geschäftsführers anders, als die in den Anfangszeiten der Firma? Christof Zollitsch sieht als Hauptaufgabe des damaligen Firmengründers Wilhelm Stemmer: „Die Technik und ihre Leistungsfähigkeit bei den potenziellen Anwendern bekannt zu machen. Zum anderen lag ein Schwerpunkt seiner Tätigkeiten zu dieser Zeit darin, die richtigen Lieferanten als Partner zu gewinnen, die es mit ihren Produkten ermöglichten, expansionsfähige Anwendungsfelder dauerhaft zu erschließen.“ Er sieht im Vergleich dazu seine heutigen Aufgaben anders gelagert: „Meine Aufgabe besteht heute eher darin, unser vorhandenes, erfolgreiches Geschäftsmodell zu sichern und auszubauen. Die geeigneten Ergänzungen in Form von weiteren Lieferanten und Produkten bei Bedarf auszuwählen und zu integrieren, zählt zu meinen wesentlichen Tätigkeiten.“ Dr.-Ing. Kai-Udo Modrich sieht das ähnlich: „Beim Gründer lagen die Technologieentwicklung und die Überzeugung von Kunden, die bis dahin noch keine IBV-Lösungen eingesetzt hatten, im Fokus.“ Für ihn selbst stehen heute globale Verfügbarkeit, Kundenorientierung und exzellente Servicedienstleistung vom Pre- bis zum After-Sales-Bereich im Fokus seiner Tätigkeit: „Die Kunden erwarten heute Lösungsanbieter und nicht ’nur‘ Technologielieferanten. Die Technik rückt in den Hintergrund und die Funktionalität des IBV-Systems zur Prozess-, Qualitäts- und Durchsatzoptimierung der Produktionslinie steht zunehmend im Fokus des Kundeninteresses.“ Für Dr. Rüdiger Hack besteht seine Hauptaufgabe darin, das bisherige Geschäftsmodell weiterzuentwickeln: „Dies bedeutet für mich, Laser 2000 an die neuen Marktgegebenheiten anzupassen, die mit der veränderten Informationstechnologie, Globalisierung und dem Trend zum Outsourcing von Wertschöpfungsschritten einhergehen und das Unternehmen gleichzeitig auf neue Know-how intensive Geschäftsfelder auszurichten.“ Dr. Andreas Franz fasst es so zusammen: „Wir sind in den letzten Jahren enorm gewachsen und das Aufgabenspektrum ist dadurch breiter und anders als zur Gründungszeit von Framos.“ Auch Erhard Meier sieht einige Unterschiede, obwohl er betont: „Die grundsätzliche unternehmerische Aufgabe hat sich natürlich nicht verändert: Auch heute geht es um profitables Wachstum und die Sicherung der Arbeitsplätze. Die Randbedingungen, welche Veränderungen erforderten, sind die Evolution des Produktportfolios, der zunehmende Wettbewerb und das Wachstum der Firma.“ Allerdings betont er: „Während es früher schon (fast) ausreichte, gute Produkte zu entwickeln, kommt heute der Vermarktung eine höhere Bedeutung zu als noch vor einigen Jahren. Auch die bewusste Produkt-Differenzierung und Positionierung ist äußerst wichtig.“

Schatten des Vorgängers

Eine Herausforderung beim Übergang ist zweifellos die gewachsene Struktur und Firmenkultur, die ein Firmengründer nachhaltig geprägt habe. Sich hier einzufinden, speziell als Externer, sei eine heikle Aufgabe, speziell auf der menschlichen Seite, fährt Erhard Meier fort. „Dieser Prozess fordert alle Beteiligten, nicht nur den ‚Neuen‘ und den Firmengründer, sondern das ganze Unternehmen. Speziell bei Mittelständlern, bei denen die Firma auf den Firmengründer zugeschnitten ist, sind Regeln und Abläufe oftmals nicht mehr passend. Die in der Firmenkultur impliziten Informationsgehalte sind zu prüfen, und es ist dabei immer wieder neu festzustellen, ob das was auf die Persönlichkeit des Gründers passte, auch mit den Eigenschaften des Nachfolgers so möglich und sinnvoll ist, oder ob es Anpassungen braucht. Einfach genau so weiter machen wie bisher, wird in den seltensten Fällen funktionieren“, so das Fazit von Meier. Für Dr. Andreas Franz hat jede Organisation eine Historie und einen ‚Rucksack‘, den es zu tragen gilt. Er betont aber froh zu sein, seinen Vater an seiner Seite zu wissen: „Es ist hilfreich einen erfahrenen Coach an meiner Seite zu haben.“ Für Christof Zollitsch ist das Wort ‚Schatten‘ zu negativ formuliert. „Wilhelm Stemmer hat mit viel Einsatz und Geschick ein Unternehmen geformt, das in der Bildverarbeitungsbranche einen hervorragenden Ruf genießt. Auch genießt er als Pionier dieser Branche einen hohen Bekanntheitsgrad, der uns in vielen Situationen immer noch sehr von Nutzen ist.“ Der Generationswechsel war allerdings keine kurzfristige Veränderung, so Zollitsch, da er selbst fast seit Gründung der Firma im Unternehmen tätig ist und als Geschäftsführer bereits seit langem an vielen Entscheidungen beteiligt war. Auch für Dr. Rüdiger Hack sind die bisherigen Leistungen des Firmengründers Armin Luft ein Segen. „Laser 2000 ist durch sein Engagement federführend im europäischen Umfeld und eine äußerst etablierte Marke, die seit 1986 für unsere Kunden und deren Anwendungen die passenden Photonik-Produkte offeriert.“ Für Dr. Kai-Udo Modrich war die Situation anders, da die Übernahme der Firma HGV durch Carl Zeiss andere Ziele hatte: „Wir sind in einem umfassenden Veränderungsprozess, die Zukunft des Unternehmens auf grundlegend andere Strukturen und Prozesse auszurichten und aufzubauen.“ Für Erhard Meier hat die ‚Medaille‘ zwei Seiten: „Der Vorgänger hat Außergewöhnliches geleistet, denn sonst gäbe es das prosperierende Unternehmen nicht in seiner jetzigen Form. Und der Erfolg und die Erfahrungswerte aus der Vergangenheit begründen vieles, was heute im Unternehmen mit Recht Bestand hat. Auf der anderen Seite ist es nicht immer einfach, Etabliertes, welches sich überholt hat, abzuwerfen und zu neuen Ufern aufzubrechen.“

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